Monday, May 18, 2015

DER NAHE OSTEN - ISRAEL UND PALÄSTINA





Israel. Palästina. Gazastreifen. Krieg...? 

Ich war mir lange Zeit unsicher, ob ich auch unsere Zeit in Israel und Palästina als Blogeintrag veröffentlichen will. Ich fühle mich eigentlich nicht in der Lage, diese so unglaublich komplizierte Situation hier zu beurteilen, beziehungsweise zu kommentieren. Obwohl wir jetzt schon knapp drei Wochen hier sind, habe ich die Beziehung immer noch nicht zu 100% überblickt und wer weiß, ob ich, oder jemals überhaupt jemand, eine komplette, gerechtfertigte, neutrale Meinung mit Lösung finden wird. Es ist einfach so unglaublich komplex.
Ich hoffe es dennoch so sehr für die Menschen hier auf beiden Seiten!

Letztendlich entschloss ich mich aber dazu dass, was ich hier von beiden Seiten erlebt und erfahren habe, niederzuschreiben. Meine anfängliche Intention, diese Blogeinträge über unsere Reise zu veröffentlichen, war es, die Geschichten von Amelie und mir einfach zu erzählen. Zu schrieben, was wir erleben, wo wir hinfahren und was für Gedanken wir dazu haben. Ich wollte meiner Familie und meinen Freunde zeigen, dass es uns gut geht und ihnen mit Bildern und Worten vermitteln, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Ich möchte also betonen, dass ich mich bei diesem spezifischen Konflikt zwischen Israel und Palästina auf keine Seite stelle. Wir fuhren als neutrale Touristen, nicht Aktivisten hier her. 


In den fast 4 Wochen waren wir zuerst in Jerusalem, dann Tel Aviv, Beer Sheva, Eilat, sind von da aus nach Palästina und waren in Hebron, Bethlehem und Jericho, bevor wir wieder nach Israel sind und Haifa und Akko besichtigten. Die letzten Tage vor unserem Heimflug verbrachten wir dann nochmal in Tel Aviv. 

Zuallererst war die Einreise von Jordanien aus ein kleiner Struggle. Mit unserem iranischen Stempel im Pass, ohne Reisegruppe und Ausreiseticket waren wir nicht gerade erwünschte Gäste. Uns wurden so einige skurrile Fragen gestellt und mussten mit in ein Hinterzimmer, aber letztenendes wurden wir reingelassen. Puh!

Mein erster Eindruck von Israel war sehr überraschend. Es klingt vllt komisch, aber ich hätte nie gedacht, dass es SO modern ist. Ich war fast schon enttäuscht, wie sehr es an Europa erinnert. Gerade im Vergleich zum sehr arabischen Jordanien war es ein kleiner Kulturschock. Dabei liegen die Länder direkt nebeneinander. Die Preise, die Straßen, die Menschen, alles erinnert einen an Deutschland. Vielleicht ganz gut, sich langsam wieder an all das zu gewöhnen. Wenn ich heim komme,  schätze ich auf jeden Fall die Bierpreise! Hier kostet der Spaß einfach mindestens 5€?!?! Naja Nebensache...
Meine zweite, deutlich intensivere Erkenntnis über Israel war der präsente Konflikt mit Palästina im Alltag. Vor allem in Jerusalem sieht man überall Soldaten, die wirklich extrem bewaffnet und für alles gewappnet sind. Terror scheint für die Menschen hier alltäglich zu sein. Ich, die so friedlich ohne jeden politischen Konflikt aufwuchs, konnte das alles anfangs gar nicht glauben. Ich bin immer noch sprachlos. Wir sprachen mit jungen Studenten an der Uni, die von ihrer Zeit im Wehrdienst erzählten. Jeder kennt jemanden, der umkam. Allein das, fande ich schon heftig!
Ich konnte und kann mir immer noch nicht vorstellen, selber im Krieg zu leben. Oder auch die Vorstellung, dass meine Kinder oder Enkelkinder mal einen erleben, ist schier unvorstellbar. 
Mein ganzes Leben lang habe ich mich noch nicht einmal so intensiv mit diesen Gedanken auseinandergesetzt. Wir lernten zwar extrem viel in der Schule, aber da klang Krieg immer so fern. Dabei kann es halt so schnell dazu kommen...


Wir besichtigten also Jerusalem, feierten in Tel Aviv (das können Israelis übrigens ziemlich, ziemlich gut!), trafen Freunde aus Laos wieder in Beer Sheva, schnorchelten in Eilat im Roten Meer und fuhren dann nach Palästina.

Durch Coachsurfing hatten wir einen Platz zum schlafen und verbrachten anstatt geplante zwei, fünf Nächte bei Mo, einem unglaublich sympathischen (jetzt) Freund, der in Hebron wohnt. Er selber hatte schon rund 250 Gäste aus aller Welt bei sich. Auch Israelis. Er sagt, er holt sich die Welt zu sich nach Hause. 

Was wir dann in den nächsten Tagen in Palästina erfahren haben, hat mir manchmal mein Herz zerrissen. Ich möchte betonen, dass Mo unglaublich neutral ist und uns nie auf eine Seite ziehen wollte. Er selber bezeichnet sich als Atheist und hält sich aus dem Konflikt vollkommen raus. Obwohl er auch einmal nachts grundlos von israelischen jungen Soldaten überfallen wurde, ihm beide Unterarme gebrochen wurden und er noch gerade so fliehen konnte, ist er weiterhin zu Soldaten offen und fair. Er erzählte, dass es hin und wieder mal ein Zigarettchen mit ihnen raucht. 

Am ersten Tag in Palästina liefen wir durch die Altstadt von Hebron. Mitten in diesem Kern der Stadt wurde ein jüdisches Settlement mit insgesamt 500 Juden gebaut, die von 4000 israelischen Soldaten "beschützt" werden. Der lokale Markt führt genau an so einer Grenze vorbei. Palästinenser mussten daraufhin diese Marktstraße überbedachen lassen, weil sie ständig mit Müll beworfen wurden. Ein Vater von zwei Kindern zeigte uns Videos von seinem Haus, wie es Tag ein Tag aus mit Steinen beworfen wird, während israelische Soldaten dabei zuschauen und nichts unternehmen. Seine Tochter hat Narben im Gesicht, weil sie einmal von einem jüdischen Settler mit einer Glasflasche beworfen wurde. Ihm wurde schon ordentlich Geld angeboten, sein Haus, das genau an der Grenze zum jüdischen Viertel liegt, zu verkaufen, aber er will nicht wegziehen. Jetzt erträgt er und seine Familie das jeden Tag.

In der Altstadt befindet sich außerdem das Grab von Abraham, der nicht nur für Juden, sondern auch für Moselms eine wichtige Rolle im Koran bzw der Thora ist. Sie teilen sich also den Blick auf das Grab. Dazwischen jedoch ist kugelsicheres Panzerglas. Zu oft gab es von Moslems Anschläge auf die Synagoge als auch von Juden auf die Moschee. Da nimmt sich niemand etwas!

Ich kann beide Seiten verstehen. Jeder denkt, er habe das Recht auf "sein" Land. Aber irgendwie führt dieser ganze Hass auch zu nichts. Jeder hat in diesem Konflikt Recht und genau da liegt glaube ich das Problem. 

Ich weiß, es gibt noch tausend weitere Beispiele und vermutlich auch Gegenargumente zu den Dingen, die ich hier schreibe. Das sind zumindest die Geschichten, die mich am meisten mitnahmen.


Die Reise durch Israel und Palästina wär also nochmal echt etwas, was mich sehr zum nachdenken gebracht hat. Ich bin sehr froh, das alles gesehen zu haben. In den Nachrichten klingen Dinge immer so fern. Erst wenn man einmal da war, kann mannstief richtig nachvollziehen. Wenn ich jetzt also etwas vom Gazastreifen höre, schaue ich nicht weg mit dem Gedanken "jaja, das schon wieder, ach ist ja eh am anderen Teil der Erde", sondern sehe die Kinder und Erwachsenen vor mir, mit denen ich jeden Tag was zu tun hatte. 

Make Hummus, not Walls!



Rosanna











Jerusalem
















Klagemauer




Ein paar Wochen zuvor fand an einer Bushaltestelle ein Terroranschlag statt. Ein auto fuhr in Menschen, die dort einfach nur auf den Bus warteten. Daraufhin wurden um alle Bushaltestellen in der Stadt diese Pfeiler gebaut. 




Tel Aviv












Mitzpe Ramon












Haifa





Akko









Bilder von Amelie und mir










Saturday, May 9, 2015

JORDANIEN - WADI RUM WÜSTE




Ich denke, diese Bilder verdienen einen eigenen Blogpost.





















Bilder größtenteils von Amelie und mir.